5min Ladezeit ab April für 2 BYD-E-Autos mit 1.000kW Ladeleistung
Ist das das Ende der Verbrenner, wenn ab nächstem Monat der Strom so schnell in den Akku fließt wie Treibstoff in Verbrenner?
Nichts weniger als das verspricht BYD bei der Vorstellung des Megawattladens für PkWs, für seine Modelle Han L und Tang L, die als erstes die "Super e-platform" nutzen, die 1.000 Volt und Laderaten von 10C mit bis zu 1.000kW unterstützt.
Entgegen vieler Videos über Wunderbatterien, Mega-Charger oder Prototypen rede ich in diesem Video über 2 Fahrzeuge, die nicht nur nächsten Monat in China auf den Markt kommen, sondern dort für umgerechnet rund 34.000 Euro gekauft werden können.
Weil diese E-Autos von BYD kommen und BYD als größter E-Auto-Hersteller der Welt massiv nach Europa expandiert, können wir mit dieser Technologie in einem Zeitraum rechnen, der den deutschen Autoherstellern keine Zeit lässt auch nur etwas im Ansatz vergleichbares auf den Markt zu bringen.
Ich werde in diesem Video klären, ob Verbrenner nun wirklich chancenlos sind aber auch auf die Tücken der neuen Technologie hinweisen und die Technikshow von BYD in ein großes Bild setzen, so dass du weißt worauf es wirklich ankommt und ob du der Technik entgegen fiebern solltest.
Hallo, ich bin Dirk Henningsen und fahre seit 2017 unterschiedliche E-Autos in ganz Europa und Afrika, so dass ich die schnelle Entwicklung bei Ladeleistungen und Reichweiten intensiv erfahren durfte.
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Zwei der Top-3-Gründe warum in Deutschland E-Autos nicht gekauft werden betreffen nach den hohen Anschaffungskosten die unausgereifte Ladeinfrastruktur und begrenzte Reichweite.
Autobahnreichweiten von modernen E-Autos von 300 - 500km bei 130km/h bewegen sich in die Richtung von rund 750km, die Autos mit Verbrennungsmotor haben, so dass sich für immer mehr Nutzungsprofile E-Autos auch auf der Langstrecke eignen.
Doch in einem Punkt waren die E-Autos - zumindest auf den ersten Blick - den Verbrennern klar unterlegen. Bei der Zeit die sie brauchen, um ihre Akkus für die nächste Etappe aufzuladen.
Im letzten Jahr haben E-Autos im Durchschnitt 27 Minuten an Ultraschnellladestationen an Autobahnen geladen, ein Tankvorgang dauert in der Regel 3-5 Minuten.
Mit Umparken und Toilettengang oder Essen kommen die Kunden von Tank und Rast an der Autobahn auf eine Verweildauer von 20 Minuten. Somit unwesentlich kürzer als ein Ladevorgang dauert, so dass der Unterschied zwischen Tanken und Laden bei längeren Touren geringer ist, als viele vor dem Umstieg auf E-Autos denken.
Mit dem Megawattladen von BYDs "Super e-Platform" sind nun Ladezeiten von 5 Minuten für das Aufladen um 43kWh bei einer 100kWh-Batterie möglich.
Die Technik:
Im März 2025 stellte BYD die sogenannte “Super e-Platform” vor, die eine Spitzen-Ladeleistung von bis zu 1.000 Kilowatt ermöglicht. Diese Plattform erlaubt es, eine E-Auto-Batterie innerhalb von fünf Minuten für bis zu 470 Kilometer Reichweite nach der chinesischen Norm aufzuladen, die weniger realistisch als die unrealistische WLTP-Norm ist. Dies ist das erste Mal, dass Megawatt-Laden in diesem Umfang im PKW-Bereich erreicht wurde.
Die neue Plattform arbeitet mit einem 1000-Volt-System, während bisher 800 Volt als das Maximum galten. BYD plant bereits, diese Spannung auf 1.500 Volt zu erhöhen, um noch effizientere Ladevorgänge zu ermöglichen.
Die neuen Modelle Han L EV und Tang L EV
Die ersten Fahrzeuge, die von dieser Technologie profitieren, sind der Han L EV und der Tang L EV. Der Han L EV verfügt über einen 83-Kilowattstunden-Akku und der Tang L EV über einen 100,5-Kilowattstunden-Akku. Beide Modelle können mit einer Ladeleistung von bis zu 1 Megawatt geladen werden, was eine Reichweite von 400 Kilometern (nach CLTC) in nur fünf Minuten ermöglicht.
Aufbau einer Ladeinfrastruktur
Wenn du dich schon mit der E-Mobilität beschäftigt hast, weißt du, dass es im PKW-Bereich bisher maximal 400kW-Ladesäulen gibt.
Selbst für LKWs, für die erste Megawattlader aufgebaut werden, gibt es bisher kaum Ladesäulen, vor allem keine die den CCS-Typ-2-Stecker verwenden, der bisher in PKWs aber auch noch in LKWs üblich ist. Die Megawattladesäulen haben einen extra Ladestecker.
Um diese Technologie flächendeckend nutzbar zu machen, plant BYD den Aufbau eines Netzes von über 4.000 Megawatt-Ladestationen in ganz China. Diese Infrastruktur soll sicherstellen, dass Fahrer ihre Fahrzeuge genauso schnell und bequem laden können wie das Betanken eines herkömmlichen Autos.
Während das in China in kurzer Zeit möglich sein kann, wird das in Deutschland, in Europa nicht so ohne weiteres möglich sein. Denn BYD hat hier noch kein Ladenetz und müsste dieses erst langwierig aufbauen oder mit einem der großen Ladenetzbetreiber kooperieren.
Völlig undenkbar ist das jedoch nicht, wie der rasche Umbau von 50kW-Säulen zu 300kW-Säulen gezeigt hat.
Auswirkungen auf die Branche
Die Einführung des Megawatt-Ladens für PKWs durch BYD setzt neue Maßstäbe in der Automobilindustrie und schraubt die Anforderungen an die Ladeinfrastruktur massiv nach oben.
Chinesische Konkurrenten bieten aktuell 400 -500kW als Spitzenladeleistung an, außerhalb von China ist der Porsche Taycan als deutsches E-Auto mit 320kW Spitze.
Dieser technologische Vorsprung könnte BYD einen erheblichen Wettbewerbsvorteil verschaffen und andere Hersteller dazu motivieren, ihre eigenen Ladeleistungen zu erhöhen.
Vor allem weil - zumindest in China - die Fahrzeuge für umgerechnet 34.170 Euro zu kaufen sind und somit nicht zum Luxussegment wie der Porsche Taycan gehören, sondern für eine deutlich größere Käuferschicht erschwinglich sind.
Herausforderungen und Lösungen
Trotz der beeindruckenden Fortschritte gibt es Herausforderungen zu bewältigen.
Die hohen Ladeleistungen erfordern eine effiziente Kühlung der Batterien, um Überhitzung zu vermeiden.
Zusätzlich wurde die Blade-Batterie neu gestaltet, um einen schnelleren Ionentransfer im Elektrolyt und einen geringeren Widerstand zu ermöglichen. Der Widerstand führt zur Erwärmung der Batterie und ihrer Zellen, die einen bestimmten Temperaturwert nicht überschreiten darf, um die höchstmögliche Ladeleistung bei dem jeweiligen Akkufüllstand nutzen zu können.
Um die hohen Anschlussleistungen für die Megawattladesäulen zu erreichen könnte zu Beginn mit Pufferspeichern gearbeitet werden. Denn bis die Mehrheit der E-Autos die Ladeleistung im Megawattbereich abrufen werden, wird noch einige Zeit vergehen.
Auch ist es denkbar, dass die auf Modulen basierenden Ultraschnellladestationen der 400kW-Klasse aufgerüstet werden, so dass höhere Ladeleistungen möglich sind.
Denn auch die vorhandenen 300kW-Ladesäulen können mit Spannungen von bis zu 1.000 Volt arbeiten und somit zumindest rechnerisch bis 500kW Ladeleistung abgeben.
Um die 1.000kW zu ermöglichen greift BYD zu einem Trick. Das Fahrzeug wird über zwei Ladeports mit je bis zu 500kW geladen, so dass die CCS-Typ-2-Technik in Deutschland deren Limit aktuell bei 500 Ampere liegt für das Megawattladen mit 2 x 500kW ausreichen würde.
Auswirkungen des Megawattladens im PKW-Bereich
Die Möglichkeit E-Autos so schnell nachzuladen wie der Tankvorgang eines Verbrenners dauert ermöglicht die Nutzung durch noch mehr Menschen für neue Nutzungsprofile.
Die Bequemlichkeit von E-Autos würde dann die von Verbrennern übersteigen, weil man sie sowohl komfortabel laden kann, wenn sie irgendwo parken als auch im Stile eines Tankstellenbesuchs in 5 Minuten aufladen kann.
Menschen ohne eigene Ladestation oder ohne die Bereitschaft einen Ladevorgang mit einem Einkauf oder ähnlichem zu verbinden, können dann wie bisher ihren Verbrenner, das E-Auto kurz aufladen.
Bis dies in Deutschland in jeder Situation und bei jedem Wetter problemlos möglich ist, wird noch einige Zeit vergehen.
Aber die Entwicklung von BYD zeigt in welche Richtung es gehen wird und das die Vergleichbarkeit bei der Nutzung von E-Autos und Verbrenner viel früher gegeben sein wird als viele bisher dachten.
Die schnelle Ladefähigkeit könnte die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen erheblich steigern und den Übergang zu nachhaltiger Mobilität beschleunigen.
Für Unternehmen bedeutet dies effizientere Logistikprozesse und geringere Ausfallzeiten, was zu Kosteneinsparungen führt.
Der berühmte Außendienstmitarbeiter der mit der aktuellen Technik noch nicht seine Touren im E-Auto absolvieren können soll, hätte dann in keinem noch so abwegigen Fahr- und Nutzungsprofil ein Argument, einen Verbrenner dem E-Auto vorzuziehen.
Fazit:
Als langjähriger E-Auto-Fahrer, der nicht nur viel auf der Langstrecke mit Tagespensum von 1.000 - 1.500km unterwegs war, sondern auch 1,5 Jahr bei 40.000km Fahrleistung nur öffentlich geladen hat, weiß ich, dass mit deutlich schlechteren Rahmenbedingungen als heute die Nutzung von E-Autos sehr komfortabel sein kann.
Die zwei entscheidenden Rahmenbedingungen, ob BYD mit seiner neuen Batterie- und Autogeneration den Markt in Deutschland umkrempeln kann sind der Preis und die Effizienz ihrer Fahrzeuge.
So günstige Preise wie in China können wir nicht erwarten, aber sie dürften, vor allem weil BYD auch nach zwei im Bau befindlichen Produktionsstandorten in Europa einen weiteren in Deutschland sucht, sehr interessant sein.
So lange die europäische Ladeinfrastruktur der limitierende Faktor ist, bleibt die Effizienz der Fahrzeuge entscheidend. Denn letztendlich kommt es auf die in einer bestimmten Zeit nachladbare Praxisreichweite an, die man durch einen geringen Verbrauch positiv beeinflussen kann.
Aber auch wenn wir für das Laden von gut 40kWh nicht 5 sondern 10 Minuten brauchen sollten, weil die Ladesäule nur 400kW abgibt, würde der Komfort für die wenigsten wirklich darunter leiden.
Die deutschen Autohersteller wird die Vorstellung von BYDs-Megawattladen und Autos unter Druck setzen, denn auch wenn sie bei der Effizienz noch vor den chinesischen Autoherstellern und knapp hinter Tesla liegen sind sie bei den Ladezeiten abgeschlagen und zusätzlich auch noch von der Hardware abhängig, die ihnen die chinesischen Batteriehersteller liefern wollen.
Ich hoffe das Video hat dir gefallen. Wenn du Fragen, Anregungen, Kommentare oder Korrekturen hast, hinterlasse sie gerne unter dem Video. Und denke an das Abonnieren meines YouTube-Kanals. Es ist in Sekunden gemacht und kostet nichts.
Ich freue mich, wenn wir uns im nächsten Video sehen.
Bis dann.
Dein Dirk Henningsen
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