Meine 3 besten Tipps wie du die Reichweitenangst bei Elektroautos ein für alle mal los wirst

Was ist Reichweitenangst, welche Arten gibt es und was kannst du dagegen tun, von ihr übermannt zu werden?

Spricht man mit anderen über Elektroautos, wird als erstes häufig nach der Reichweite und erst dann nach dem Preis oder anderen Eigenschaften gefragt.

Bei einem Verbrenner ist die Frage nach der Reichweite höchst selten, auch wenn ich von meinem ersten Smart fortwo weiß, dass diese auf der Autobahn schnell auf 250 Kilometer zusammen schmelzen kann und sie somit sogar die von Elektroautos unterschreitet.

Du fährst bereits ein Elektroauto und willst nicht die Einleitung  oder meine Geschichten aus der Praxis lesen? Dann klicke hier und gelange direkt zu meinen 3 besten Tipps gegen Reichweitenangst bei Elektroautos.

Doch was ist Reichweitenangst nun genau?

Es ist ganz banal gesagt, die Angst, mit leerem Akku liegen zu bleiben und oder nicht die Reichweite zu haben, um die typischen Fahrten machen zu können.

In diesem Artikel geht es nicht um die psychologische Beleuchtung und möglichen Strategien zur Überwindung von Ängsten, sondern ich werde dir anhand von 2 ganz konkreten Erlebnissen aus meiner Praxis zeigen, wie ich die Reichweitenangst erlebt und überwunden habe.

Die Reichweitenangst bei Sonderfällen:

Ich kann nicht mehr die Strecken fahren, die ich mit dem Verbrenner locker schaffe, denn mein Elektroauto hat "nur noch" 200 Kilometer Alltagsreichweite

In Gesprächen mit Menschen, die überlegen vom Verbrenner auf ein Elektroauto umzusteigen höre ich häufig diese Art der Reichweitenangst heraus.

Da wird mir dann sehr anschaulich und leidenschaftlich erklärt, warum ein Elektroauto kein Sinn macht, weil 1 oder 2 mal im Jahr eine große Tour gemacht werden muss, bei dem die Reichweite des Elektroautos nicht ausreicht oder es einfach zu lange dauern würde, zwischendrin zu laden.

Nur damit du mich richtig verstehst. Ich nehme diese Ängste ernst, denn auch ich habe sie am eigene Leib gespürt.

Wir hatten gerade unseren BMW i3 bekommen und unser Backup, den SEAT Alhambra mit dem Betrugsdiesel verkauft und die Lieferung unseres Teslas für die Langstrecke hing für einen Moment in den Sternen.

Da kam, das sage ich dir ganz ehrlich, doch eine gewisse Panik in mir hoch. Ich fragte mich, wie soll ich jetzt mal so schnell zu meinen Eltern in den Harz fahren, wenn sie meine Hilfe brauchen. Das sind 350 Kilometer mit einem Elektroauto, das eine Alltagsreichweite von 200, auf der Autobahn eher gegen 150 Kilometer hat. Hinzu kam, dass die Strecke zwischen Hamburg und Hannover, also gut 150 Kilometer, Ladewüste war und ich befürchten musste gerade im Winter, diese Strecke nicht ohne langsame Zwischenladung zu schaffen.

Die normale Fahrzeit von 4 Stunden schien in weite Ferne zu rücken, ja die Reise an sich nach Bad Harzburg stellte ich in meiner Panik in Frage. Denn auch in Bad Harzburg gibt es keine einzige Schnellladesäule und ob eine Ladung über die Wohnungssteckdose bei meinen Eltern möglich wäre, die im 3. Stock wohnen, war fraglich.

Doch dann begann ich die Logik einzuschalten.

Wie oft gab es in den letzten 19 Jahren, die meine Eltern in Bad Harzburg leben einen Notfall?

Was für Alternativen habe ich, wenn ich nicht mit dem Elektroauto fahre, nach Bad Harzburg zu kommen? (Mietwagen, Zug, Bus)

Je länger ich darüber nachdachte, desto deutlicher wurde, dass dieser Notfall, der Engpass beim Elektroauto in meinem Kopf ist.

Reichweitenangst bei Sonderfällen ist reine Kopfsache!

Wir haben genug Mobilitätsalternativen, um Sonderfälle zu lösen und die anderen 99,9% mit einem Elektroauto lokal emmissionsfrei zu fahren.

Konkrete Reichweitenangst:

Wenn der Akkustand nicht bis zur nächsten Ladessäule reicht

Diese Form der Reichweitenangst ist besonders tückisch. Sie überkommt dich häufig völlig überraschend und es ist besonders schwer, trotz Panik, dann ruhig und besonnen zu reagieren.

Denn häufig überfällt sie dich unerwartet. Z.B. wenn eine von dir fest eingeplante Ladestation nicht funktioniert, besetzt ist oder du einfach aufgrund dramatisch veränderte Wetterbedingungen plötzlich nicht mehr genug Energie im Akku hast, um die nächste, bekannte Ladestation zu erreichen.

Ich möchte dir 2 Situation schildern, in denen ich diese Angst erlebt habe und wie ich einmal kopflos und einmal sehr durchdacht mit ihr umgegangen bin.

I. Die Ladesäule funktioniert nicht oder du kannst sie nicht finden:

Wie ich bei meiner ersten Langsstreckenfahrt, kopflos meiner Reichweitenangst ausgesetzt war

Wir hatten unseren BMW i3 gerade gut 2 Wochen, als ich einen geschäftlichen Termin in Köln hatte, bei dem ich genug Zeit für die Anfahrt und Rückfahrt einplanen konnte.

Als Vorbereitung auf unsere Nordkapptour wollte ich die Langstreckentauglichkeit des i3 testen.

Bei der Übertragung der Daten der Ladestationen ist mir jedoch ein Fehler unterlaufen, so dass ich im Navi des BMW einen Rastplatz mit Ladestation einprogrammiert hatte, wo es keine Lademöglichkeit gab.

So saß ich also plötzlich auf einem Rastplatz, hatte nur noch 31 Kilometer Restreichweite laut Navi verfügbar und in meinem ausgedruckten Routenplan, war die nächste Ladestation fast 100 Kilometer entfernt.

Ich wusste, dass es noch eine Ladestation früher geben musste, die ich aber nicht ausgedruckt hatte.

Natürlich war das Netz auf dem Parkplatz miserabel und es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis ich über die iOS-App auf die Daten von Goingelectric zugreifen konnte.

Über die App konnte ich sehen, dass in 36 Kilometer die nächste Schnellladestation ist, 5 Kilometer zu weit weg, wenn ich meinem Navi vertrauen konnte.

In meiner Unerfahrenheit entschied ich mich, die Autobahn zu verlassen und die nächste Typ-2-Ladestation aufzusuchen, um einige Kilometer Reichweite nachzuladen und dann zur Schnellladesäule zu fahren.

So landete ich an einer "Bürgermeistersäule" in einem sehr kleinen Ort mit 18 Kilometer Restreichweite.

Leider konnte ich auch mit Hilfe des angerufenen Supports (zum Glück konnte ich telefonieren, mobile Daten waren auch hier direkt an der Säule nicht möglich) nicht laden.

Meine Optionen wurde immer schlechter, denn wo sollte ich die nächste Säule auf dem platten Land finden?

Zum Glück war in 18 Kilometer Entfernung ein BMW-Händler mit einer Typ-2-Säule.

Meine Hoffnung war, das selbst wenn mein Ladekabel das Problem war, ich dort ein Ersatzkabel ausleihen könnte, um dann so viel zu laden, bis ich wieder zur Autobahn zurück kommen konnte.

Als ich die Adresse des BMW-Händlers ins Navi eingab lernte ich meine 1. Lektion:

Die Reichweite ist sehr stark von der Strecke und den gefahrenen Kilometern abhängig.

Denn aus den 18 Kilometer Restreichweite wurden über die 18 Kilometer Landstraßenfahrt bei gemäßigtem Tempo, 32 und ich kam so mit 14 Kilometer Restreichweite beim BMW-Händler an und konnte dort dann innerhalb von einer knappen Stunde so viel aufladen das ich zuverlässig zur nächsten Schnellladesäule kommen konnte.

Was mir damals noch nicht so bewusst war, ist für mich heute nach gut 11.000 Kilometer durch Europa glasklar:

Du hast viel mehr Einfluss auf die Reichweite deines Elektroautos als du denkst und kannst somit dich aus vielen Situationen befreien, die du im ersten Moment als ausweglos einschätzen würdest.

Bevor ich dir meine konkreten Tipps gebe, wie du die Reichweitenangst überwinden kannst, möchte ich mit dir noch mein Schlüsselerlebnis bei unserer Tour mit dem BMW i3 zum Nordkapp in Läppejärvi teilen.

II. Die Reichweite reicht von Anfang an nicht zwischen 2 Ladestationen, die du passieren musst

Das die Abstände zwischen den Ladestationen größer sind, als deine Akkureichweite, sollte sich in den nächsten Jahren deutlich relativieren.

Zum einen steigt die Reichweite der Elektroautos kontinuierlich und zum anderen wird der Ausbau der Ladeinfrastruktur ebenfalls vorangetrieben, so dass sich die Abstände zwischen den Ladesäulen reduzieren.

Doch kommen wir zurück zu einem regnerischen​ Morgen in Munio, an dem unsere Schlüsseletappe zum Nordkapp unter denkbar ungünstigen Voraussetzungen begonnen hat.

Der Vorabend war schon relativ kühl gewesen, doch als ich morgens auf die Wetterapp schaute und mir 2 Grad angezeigt wurde, stellte ich mir die Frage, ob es wirklich eine gute Idee ist, 189 Kilometer durchs menschenleere Hochland von Finnland zu fahren.

Der starke, böige Wind, der den Regen vor sich hertrieb beruhigte mich ebenso wenig.

(Als erfahrener Elektroautofahrer weißt du, dass es 3 Witterungskomponenten gibt, die den Verbrauch zum Teil deutlich nach oben treiben. Die Außentemperatur - alles unter 20 Grad kostet Reichweite -, Regen - kann bis zu 30% oder mehr zusätzliche Energie benötigen und Wind.)

Alle 3 Komponenten zusammen für eine Tour zu haben, die schon im Normalfall die Reichweitengrenzen aufzeigt, ist wenig beruhigend.

Doch es gab kein zurück mehr für uns. Zum einen, weil wir bereits 2.388 Kilometer Richtung Nordkapp gefahren waren, zum anderen, weil es keine alternative Route - ohne einen Umweg von einigen Tausend Kilometern - gab.

Die erste Teiletappe von gut 100 Kilometer bin ich dann auch zügig und "ohne Rücksicht auf" den Verbrauch gefahren.

Die Quittung wurde mir in Form von 19,4 kWh/100 Kilometer serviert.

Um die nächste Etappe zu schaffen, mussten wir weniger als 14,5 kWh/100 Kilometer verbrauchen.

Denn der Akku unseres BMW i3 hat eine nutzbare Kapazität von 29,2 kWh und die Strecke war 189 Kilometer lang.

Natürlich hatte meine eineinhalbstündige "Raserei" auch einen wichtigen Hintergrund. Während der Fahrt wurde unser Akku durch die Belastung warm und auf Betriebstemperatur gebracht, so dass wir bei der zweiten Etappe, wenn wir während des 2,5-stündigen Ladevorgangs die Standheizung laufen lassen würden, die größtmögliche Kapazität zur Verfügung haben sollten.

Als wir dann an diesem gottverlassenen Ort, im Hochland von Finnland, der eher in einen Western passte, sei es wegen der Jäger und Trapper, die die windschiefe Hütte neben den zwei verlassenen Zapfsäulen bevölkerten, oder den geduckten Bäumen, die den starken Windböen kaum standhalten konnten, 2,5 Stunden luden, fragte ich mich schon, was wir hier machten.

Als wir endlich bei 98% SOC (state of charge / Akkustand) nach 1,5 Stunden waren, fragte mich meine Frau, ob wir wirklich noch eine Stunde für die letzten beiden Prozent warten wollen, oder nicht doch schon direkt starten sollten.

Doch ich wollte kein Risiko eingehen. Mir nicht später vorwerfen müssen, dass die letzten 2%, die wir nicht geladen haben, zum Liegenbleiben kurz vor dem Ziel geführt haben.

Deswegen luden wir auf 100% auf, auch wenn es so viel länger gedauert hat.

Als wir das Navi starteten, wurde uns eine Restreichweite auf der Basis der gewählten Strecke von 142 Kilometer vorausgesagt.

Der Warnhinweis im Display, dass die E-Reichweite zu gering sei und wir eine weitere Ladestation suchen sollten kam aufgrund der Differenz von 45 Kilometer postwendend.

Also schalteten wir vom Comfort in den Ecopro-Modus um. Die Reichweitenanzeige stieg auf 192 Kilometer.

Da wir zu diesem Zeitpunkt nicht wussten, ob das Navi bei der Reichweite auch noch die Topographie berücksichtigt und wir 170 Kilometer der Strecke kontinuierlich bergauf fahren würden, waren 3 Kilometer Puffer, keine wirklich Beruhigung.

Also stellten wir auf Ecopro + um. Dieser Energiesparmodus reduziert nicht nur die Leistung der Elektromotoren, sondern schaltet auch noch die Klimaanlagen bzw. Heizung aus und begrenzt die Höchstgeschwindigkeit auf 90 km/h. Bei 3,5 Grad, kein wirkliches Vergnügen.

Jetzt stieg die Restreichweite endlich auf 236 Kilometer, 47 mehr als wir voraussichtlich brauchen würden.

Wir fuhren langsam los und beschleunigten auf 60 km/h, die Geschwindigkeit, die wir in den nächsten 4 Stunden, nicht überschreiten würden.

Während der Fahrt haben wir die noch zu fahrenden Kilometer und die Restreichweite konstant im Auge behalten, so bald sich die Differenz in die eine oder andere Richtung spürbar verändert hat, haben wir unsere Fahrweise angepasst.

So konnten wir z.B. nach gut einer Stunde die Heizung anschalten, weil das die Reichweite nicht so deutlich belastet hat. Die Erhöhung der Geschwindigkeit auf 70 km/h jedoch schon, so dass wir wieder auf 60 reduziert haben.

Im Ziel in Alta sind wir dann mit 22,5% Akkustand angekommen und hatten noch eine Restreichweite von 51 Kilometern.

Auf dieser Etappe haben wir unsere Reichweitenangst ein für alle mal besiegt, weil uns folgende 2 Dinge klar geworden sind:

  1. Wir haben viel mehr Möglichkeiten auf den Verbrauch Einfluss zu nehmen als uns vorher bewusst war. (Geschwindigkeit und Energiesparmodi)
  2. Die Reichweitenanzeige vom BMW i3 ist sehr zuverlässig und über die gesamte Etappe leicht im Auge zu behalten.

Du kennst jetzt die verschiedenen Formen der Reichweitenangst bei Elektroautos und die Situationen in denen ich sie erlebt habe.

Im zweiten Teil meines Artikels über die Reichweitenangst bei E-Autos findest du meine 3 besten Tipps, wie auch du diese Angst ein für alle mal loswerden kannst (zum Weiterlesen hier klicken)

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