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2. Tag: Nordkapptour mit dem BWM i3 von Värnarmo nach Söderköping

Wie aus einer Herausforderung und einem ersten Langstreckentest für eine Akkufüllung, ein harmloses Abenteuer wurde und uns dann doch ein kleines Schild den Puls nach oben getrieben hat

Für den zweiten Tag unserer Nordkapptour hatten wir uns einen ersten Langstreckentest für ein Akkuladung, auch Hypermiling genannt, auf die Fahnen geschrieben. Wir wollten in der Praxis mit unserem voll gepackten i3 sehen, wie weit wir bei Landstraßentempo, also bei 80 km/h kommen.

Von unserem Campingplatz in Värnarmo bis zum ersten Schnelllader sind es 203 Kilometer auf dem Papier. Eine Strecke, die wir in Deutschland zwischen Kiel und Hamburg schon gefahren waren, aber im hügeligen und windigen Südschweden bei vollgepacktem Auto war diese Tour mit einem Fragezeichen versehen. Insbesondere, da der i3 ja nicht über Nacht auf dem Campingplatz vollgeladen worden war sondern wir mit 98% SOC (State of Charge) gestartet sind und uns somit weniger Reichweite zur Verfügung stand.

Zum Glück war ich am ersten Tourtag noch auf die Idee gekommen, nach Ladestationen in Vimmerby, dem Ort für unsere Mittagspause, in skandinavischen Ladestationsapps zu schauen.​

Unsere Freude war groß, als uns 2 kostenlose Ladestationen in Vimmerby angezeigt wurden, immerhin Typ-2-Stationen, die mit 7,4 kW laden können.

Somit hatten wir beschlossen, das Risiko etwas zu mindern und in der Mittagspause zu laden.

Beim Start in Värnarmo war der Himmel wolkenverhangen und es wehte ein leichter Wind.

Mit jedem Meter, den wir uns unserem Tagesziel in Söderköping näherten wurde das Wetter besser aber auch der Wind stärker. Am Ende wehte der kräftigen Böen und trieb den Verbrauch, gerade auf den Ausbaustrecken die wir mit 100 km/h fahren konnten nach oben.

Wir erreichten Vimmerby mit 33,5% SOC und hätten mit dem Energiesparmodus ECO pro +, der nicht nur die Leistung sondern auch die Klimaanlage drastisch reduziert, noch den Schnelllader in Västervik erreichen können.

Ein Vergnügen, auf das wir bei Sonnenschein und 25 Grad mit einem Hund an Board dem es heute auch nicht so gut ging (er hatte Bauchkrämpfe), auf das wir gerne verzichten wollten.

Als wir bei der ersten, günstig gelegenen Ladestation ankamen, war die Ladesäule mit einem Zettel verdeckt, das das nichts Gutes verheißen kann war schnell klar, ein kurzer Blick ließ unseren Puls nach oben und die Enttäuschung steigen. Außer Betrieb stand an der Säule, die am Sitz des heimischen Energieversorgers aufgestellt war.

Nun war guter Rat teuer. Sollten wir zu der anderen Säule fahren, die vom selben Energieversorger war oder lieber direkt zum Schnelllader und die Mittagspause ausfallen lassen?

Denn eines war klar, wenn wir jetzt das Auto ausmachen würden, müsste es nach der kurzen Pause wieder neu gekühlt werden, was die kostbare Energie, die wir für die Strecke brauchen würden, erheblich reduzieren würde.

Wir entschieden uns, mit dem Notfallplan, sonst fragen wir beim nächsten Campingplatz, ob wir dort kurz nachladen können, zur zweiten Säule des Energieversorgers ins Stadtzentrum zu fahren.

Aus dem Internet hatten wir nur eine schwedische Beschreibung, eine holperige Übersetzung von Googletranslate und ein „aussagekräftiges“ Foto, das die Ladestation auf einer verputzen Hauswand zeigte.

So wie ich den Text verstanden hatte, sollte die Ladestation auf der Rückseite des Rathauses sein.

Wir gaben also die Adresse ins Navi ein und machten uns auf den Weg.

Das Navi entließ uns schon am Anfang der Straße an der unser Ziel liegen sollte mit dem Hinweis, dass wir am Ziel angekommen seien. Vom Rathaus keine Spur, wir schauten direkt auf eine öde Industriegarage.​

Als wir weiter fuhren kam dann das Rathaus ins Blick. Zu unserer Überraschung war es aber nicht verputzt sondern verklinkert. Eine Umrundung brachte auch keine neuen Erkenntnisse.

Ich war schon am formulieren, wie ich beim Campingplatz nach Strom fragen sollte, als meine Frau auf der anderen Straßenseite an einer verputzten Hauswand eine Ladestation sah.

Zusammen mit unserer mobilen Ladestation können wir an jeder Steckdose laden. Es ist also keine Frage ob wir zum Nordkapp und zurück kommen, sondern nur eine Frage der (Lade-) Zeit.​

Sie war an der Rückseite des Rathauses. Offensichtlich war der Klinkerbau doch nicht das Rathaus...

Alles weitere funktioniert problemlos. Ich steckte das Typ-2-Ladekabel an und es floss sofort Strom. Unser Bordcomputer zeigte an, dass der Akku in gut 2 Stunden vollgeladen sei.

Meine Frau verbrachte die Mittagspause dann im nahegelegenen Freizeitpark von Astrid Lindgren während ich beim kranken Hund im Auto blieb und bei eingeschalteter Standklima meinen Podcastbeitrag vom 2 Tourtag aufnahm.

Natürlich habe ich die Ladestation auch gleich bei Goingelectric eingetragen, damit zukünftige Schwedenreisende wissen, wo diese ist.

Während ich im Auto saß und wartete, sah ich einen Touristen wie er neugierig das Auto betrachtete und einige Fotos von der Seite mit dem Ladekabel schoss, als er dann auch noch ums Auto nach vorne lief formten seine Lippen die Worte „das war ja klar“ und er grinste mich an.

Es war ein Deutscher, der wohl sein erstes deutsches Elektroauto im Ausland gesehen hatte 🙂

Die Weiterfahrt nach Söderköping führte durch das landschaftlich wunderschöne Südschweden, weil wir beim Navi vom Routenkriterium „schnell“ zu „eco pro“ gewechselt hatten, auch über idyllische Nebenstrecken mit einem Tempolimit von 70 km/h.

So sank unser Durchschnittsverbrauch kontinuierlich, zeitweilig sogar unter den Verbrauch nach NEFZ von 12,6 kWh/100 km.

Durch die so gewonnene Reichweite, konnten wir umdisponieren und einen Schnelllader noch dichter vor unserem Tagesziel anvisieren. Auch hier konnte ich als erster die Ladung bestätigen.

Frisch nachgeladen kamen wir so mit 85,5% SOC am Campingplatz an.

Da wir morgen mit unserem Hund zum Tierarzt müssen und vor dessen Augen die Wurmkur, die für die Einreise nach Finnland und Norwegen Pflicht ist, verabreichen müssen, ist der Akkustand etwas gering.

Zwar konnten wir die Ladepause und den Tierarzt zusammen legen, aber die 173 Kilometer bis dahin sind mit 84,5% ohne Vorklimatisierung knapp.

Deswegen holte ich zum ersten Mal den Juice Booster 2, unsere mobile Ladestation heraus. Einfach den Adapter für die normale Schukosteckdose aufgesteckt und schon wird der BMW i3 über eine normale Steckdose geladen.

So können wir morgen Früh zu unserer nächsten großen, 630 Kilometer langen, Tagesetappe starten.

Ich bin gespannt wie das zeitlich, auch mit dem Tierarzt, passt, zum Glück sind wir in dem Teil Schwedens wo es in sehr kurzen Abständen Schnelllader gibt und wir kontinuierlich umdisponieren können.

Erkenntnis des Tages: Bei 70 km/h können wir mit einem Verbrauch von 12 kWh/100 Kilometer rechnen und haben so eine Reichweite von bis zu 240 Kilometern. Unsere längsten Etappen im hohen Norden ohne Lademöglichkeit dazwischen, von 179 Kilometer sollte auch bei schlechtem Wetter und einer entsprechenden Geschwindigkeit, schaffbar sein.

Zusammen mit unserer mobilen Ladestation können wir an jeder Steckdose laden. Es ist also keine Frage ob wir zum Nordkapp und zurück kommen, sondern nur eine Frage der (Lade-) Zeit.


Tagesstatistik

1 von 3

Etappe:

  • Ort: Vimmerby
  • Ladedauer gesamt:  122 Minuten (2:02 Stunden)
  • SOC* Ankunft: 32 %
  • Gefahrene Kilometer gesamt: 152 Kilometer
  • Gefahrene Kilometer / Etappe: 152 Kilometer
  • Fahrzeit / Etappe: 2:20 Stunden
  • Durchschnitts - km/h / Etappe:  66,5 km/h
  • Wetter / Etappe: 24 Grad, sonnig, ganz bisschen Wind
  • Verbrauch / Etappe: 13,0 kWh/100 Kilometer
  • Geladene kWh:  Keine Angabe kWh, rechnerisch 19,76 kWh
  • SOC* Abfahrt: 93,5%
  • Ladekarte: Ohne, kostenlos.
  • Kommentar: Wartezeit im Auto verbracht, zum Glück gab es eine Alternative zur defekten Typ-2-Station, die nach etwas Suchen zu finden war.

* SOC = State of Charge (Akkustand)

2 von 3

Etappe:

  • Ort: Ringarum
  • Ladedauer gesamt: 27 Minuten
  • SOC* Ankunft: 43%
  • Gefahrene Kilometer gesamt: 264 Kilometer
  • Gefahrene Kilometer / Etappe: 112 Kilometer
  • Fahrzeit / Etappe: 1:40 Stunden
  • Durchschnitts - km/h / Etappe: 66,6 km/h
  • Wetter / Etappe: 27 Grad, sonnig, sehr windig
  • Verbrauch / Etappe: 13,2 kWh/100 Kilometer
  • Geladene kWh: 17,09 kWh
  • SOC* Abfahrt: 95,5%
  • Ladekarte: Clever
  • Kommentar: Kurzer Toilettenbesuch mit Anstehen wegen Reisebus

* SOC = State of Charge (Akkustand)

3 von 3

Etappe:

  • Ort: Söderkoping (Tagesziel)
  • Ladedauer gesamt: Über Nacht
  • SOC* Ankunft: 85,5%
  • Gefahrene Kilometer gesamt: 282 Kilometer
  • Gefahrene Kilometer / Etappe: 18 Kilometer
  • Fahrzeit / Etappe: 0:26 Stunden
  • Durchschnitts - km/h / Etappe: 65 km/h
  • Wetter / Etappe: 25 Grad, sonnig, windig
  • Verbrauch / Etappe: 13,5 kWh/100 Kilometer
  • Geladene kWh:  unbekannt
  • SOC* Abfahrt:  98% wegen Ladeabbruch in der Nacht
  • Ladekarte: Haushaltssteckdose an der Hütte.
  • Kommentar: Beim ersten Einsatz des JuiceBoosters 2 ist die Sicherung der Hütte herausgeflogen. Da keiner mehr da war haben wir die Nacht ohne Strom verbracht.

* SOC = State of Charge (Akkustand)

2

Tages-Etappe:

  • Ladedauer gesamt: 149 Minuten (2:29 Stunden)
  • Gefahrene Kilometer gesamt: 282 Kilometer
  • Fahrzeit gesamt: 4:26 Stunden
  • Reisezeit Tages-Etappe: 7:08 Stunden
  • Durchschnittsgeschwindigkeit Tagesetappe: 65,4 km/h
  • Verbrauch pro Tages-Etappe: 13,5 kWh
  • Geladene kWh gesamt: 17,09 kWh laut Ladestation inkl. kalkulatorischen Werten: x kWh
  • Kommentar: Eine defekte Ladesäule hat uns kurz aus der Bahn geworfen, die Alternative war kostenlos gab aber keine Lademenge an. Die erste Ladung über die Haushaltssteckdose mit 13 A hat die Sicherung herausfliegen lassen. In Zukunft laden wir mit 10 A oder 8 A je nachdem wie das Netz von den Einheimischen eingeschätzt wird.
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